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Steven

Liebes Tagebuch, Teil 1

Austausch unter Dramaqueens, Musikgenies und Schauspielern.

Ein Bericht von Steven über die ersten Monate seines Auslandssemesters in Finnland.

Liebes Tagebuch (Rakas päiväkirja)!

Ich lebe jetzt schon seit 2 Monaten, 6 Tagen, 13 Stunden und 45 min in Korso, einem Teil der zweitgrößten Stadt Finnlands, Vantaa.
Es ist kaum zu glauben, wie schnell die Zeit hier vergeht. Manchmal wünsche ich mir wirklich, 3 Wünsche zu haben und die Zeit dadurch drei Mal zu verlängern, da ich leider nur für ein Semester Austauschschüler bin.
Ich verstehe mittlerweile auch schon so ziemlich alles, aber das Anworten fällt mir halt doch noch schwer. Verständlicherweise: 14 verschiedene Fälle jeden Tag und dann noch 13 Ausnahmefälle für Mathe und solche Dinge! ---> 27 Fälle, welch Spaß!

Die letzen Tage in Österreich!

Ich habe immer wieder an die VBT (Vorbereitungstagung) in Österreich denken müssen, da ich erst eine Woche vorher meinen Bescheid bekam, dass ich an dem Semesterprogramm in Finnland teilnehmen werde. Meine Eltern und ich konnten uns den Austausch nicht leisten, also musste ich für ein Stipendium ansuchen und die Zusage dafür bekam ich eben erst Ende Oktober. Es war ein harter „Kampf“ , aber ich habe ihn gemeistert und jetzt bin ich wirklich schon so lange hier.

Meine letzte Woche in Österreich begann mit einem ganz normalen Ferienmontag. Ich stand auf, ging Zähneputzen, zog mir meine Alltagskleidung an und machte ein Kreuzchen auf meinem Kalender - so wie ich es die letzten 2 Monate schon jeden Tag gemacht hatte.

An diesem Tag realisierte ich jedoch mit den Worten „Oh mein Gott, es sind ja nur mehr 5 Tage“, dass mein Abflugtag immer näher und näher kam. Dann wurde mir das erste Mal klar, dass ich mich langsam einmal von allen verabschieden musste. DER STRESS BEGANN !!!

Am 5.Januar fand dann die legendäre Abschiedsfeier statt und ich werde diesen Abend auch nie vergessen. Ich habe an diesem Abend glaub ich mehr Tränen vergossen als am Flughafen.

Ade Österreich - Tervetuloa Suomeen (Willkommen in Finnland)

Am Samstag, den 7.1.2012 um 10.45 Uhr, ging meine Reise also los. So, wie eigentlich zu jedem besonderen Ereignis, kam ich fast zu spät und hatte dann am Flughafen auch das dementsprechende „Gehudle“. Kurz vorm Durchgang zum Gate ging es nicht wirklich emotional zu. Ein Bussi für Mama und Papa, Umarmung vom kleinen Bruder. Und weg war ich.

Mein Flug ging nicht direkt nach Finnland, ich musste einmal umsteigen, und zwar in Berlin. Nach 30 Minuten Wartezeit ging es mit dem Anschlussflug dann weiter nach Helsinki. Auf dem Flughafen der finnischen Hauptstadt angekommen ging das Leben des kleinen Steven‘s natürlich nicht einfach ohne Probleme weiter. Mein Koffer kam nicht!

Ich wartete und wartete aber irgendwie wollte er sich nicht aus seinem Versteck hinter der Förderbandklappe trauen. Nach 1 Stunde Wartezeit kam er dann doch - einsam und allein. So Etwas kann ja auch nur mir passieren! -
Die Tür zur Empfangshalle öffnete sich und da standen sie. Meine Gastfamilie.

KAHVI ON HYVÄÄ - Kaffee ist gut!

Mit diesem Vokabular ging es für mich am zweiten Tag nach meiner Ankunft ab in die Schule. Ich besuche die “Lumon Lukio“ (Lukio = High School) in Korso, was im Prinzip ziemlich praktisch ist, da ich nur 10 Minuten zu Fuß zur Schule gehe.

In Österreich besuche in normalerweise das BORG Hegelgasse 12 im ersten Bezirk von Wien. Ich bin dort in einem besonderen Schulzweig, der sich „Polyästhetik“ nennt. Wir bekommen dort einen Einblick und eine kleine Ausbildung in Tanz, Schauspiel und Gesang. Mein Finnische Schule hat ebenfalls so einen besondern Zweig und dementsprechend benehmen sich auch die Schüler: Dramaqueens, Musikgenies, Schauspieler, etc.

Ich war die Stille in Person

Ich wage zu sagen, dass alle die mich kennen, mir das nie glauben werden. Ich habe in den ersten zwei Wochen mit keinem außer meiner Gastfamilie gesprochen. Es war nicht einmal meine Schuld, aber in Finnland ist es irgendwie üblich, dass man Neulinge für‘s Erste einfach nur anstarrt. Das liegt wohl daran, dass das Gerücht, dass Finnen so schüchtern sind, doch einen wahren Kern hat.

Tja und dann ging das Leben eben los. Schulstress, Prüfungen und natürlich Teenager-Probleme kamen auf mich zu.

Austria - Australia - Itävalta

Als die Finnen ihre Scheu dann doch endlich einmal verloren hatten, wurden mir sogar die ersten Fragen gestellt. Bitte nicht vor Lachen umfallen:

Hey where are you from? - Austria
Oh, where is it? Did you mean Australia? - NO, Austria
Hmm do you have electricity there? - Ähmmm yes!! (in that moment I was shocked)
Do you know snow or football? - Of course!! (I just started to laugh)

Die Antwort auf all diese Fragen folgte ein paar Tage später:„Oh you are from Itävalta“ :P Naja, auf so einen Namen muss man erst einmal kommen!
Aber Finnisch ist halt doch wirklich sehr anders. Ich mein das beste Beispiel ist der Name des Landes selbst. Jeder Mensch auf der Welt sagt Finnland oder Finland (engl.), aber NEIN ...die Finnen sagen Suomi!

„Angry Abit“ und VANHAT

Jedes Jahr in der 7. Woche des Jahres gibt es zwei ganz spezielle Feste in den Lukios von Finnland, Abi-Feier und VANHAT. Die Maturanten werden aus der Schule geworfen und mit Trucks abgeholt, mit welchen sie dann durch die Straßen fahren und Süßigkeiten verstreuen. Kurz zuvor gibt es noch eine kleine Abi-Show. Sie feiern damit den Auszug aus der Schule und bereiten sich nun ein Monat auf ihre letzten großen Prüfungen vor.

Vanhat: Dieser Tag ist der beste Tag eines jeden einzelnen in seiner bzw. ihrer Zeit in der finnschen HighSchool. Es ist eine Art Ball, wird aber mehr als Show dargestellt. Das Ganze ist ganz und gar nicht mit österreichischen Bällen zu vergleichen. Am Tag nach der Abi-Feier werden die 2.Klässler 12 traditionelle Tänze und einen selbsteinstudierten Showtanz präsentieren. Getanzt wird die ganze Show drei Mal:

1. Für den Kindergarten
2. Für den Rest der Schule
3. Für die Eltern (Abendveranstaltung mit Live Band)

Sie feiern diesen Tag, da sie jetzt die ältesten Schüler der Schule sind.

Link: http://www.youtube.com/watch?v=3_kAJKjTLzw&feature=player_embedded

Unser Showtanz beginnt bei Minute 5.50. Wir waren 150 Tänzer und es war wunderbar... Es war der beste Tag bis jetzt.

Das war glaub ich einmal genug für’s Erste!
Heippa Moi Moi

Fortsetzung folgt

Tervehdys Suomesta (Schöne Grüße aus Finnland)
Euer Steven