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Lena

Hilfsbereitschaft überall!

Schulalltag in Südafrika

Lena erzählt von Rugby, Gastfreundschaft und unbekannten Regeln in Südafrika
YFU Austria:

Lena, du hast mit YFU ein Austauschjahr in Südafrika verbracht. Welche Erinnerung kommt dir als erstes in den Sinn, wenn du an deinen ersten Schultag in Südafrika zurückdenkst?

Lena:

Mein erster Schultag an meiner neuen Schule war unglaublich aufregend! In Südafrika trägt man Schuluniformen und da ich noch keine hatte, fiel ich natürlich gleich recht deutlich in der blau-grünen Menge auf. "Wer ist denn das in den Jeans mit den offenen Haaren?" und ähnliche Fragen spürte ich förmlich, auch wenn ich noch kein bisschen Afrikaans verstand.
Bei der täglichen Morgenversammlung wurde ich dann auch gleich vorgestellt: Jeder wollte mit der „Neuen“ reden und alle versicherten mir zu helfen wo sie nur könnten. Unglaublich, wie hilfsbereit Südafrikaner sind!

Vor dem "Nelson Mandela Square"-Einkaufszentrum in Johannesburg steht eine 6 Meter große Statue des berühmten Südafrikaners. Das Foto zeigt mich bei einem Schulausflug mit meinen Freundinnen und meiner Tourismuslehrerin.
YFU Austria:

Kannst du uns von deinem schönsten Erlebnis in der Schule erzählen, etwas, das du für immer mit deinem Austauschjahr verbinden wirst?

Lena:

In der Schule werde ich die morgendlichen Versammlungen nie vergessen, bei der die ganze Schule in Reihen aufgefädelt steht, betet, singt und zuhört. Und das für 20 Minuten und jeden morgen aufs Neue!

So richtig cool habe ich auch die Rugby Matches in Erinnerung: Alle Schüler und alle Lehrer bleiben nach Unterrichtsende in der Schule, um mit allen möglichen Sprechchören das eigene Team von der Tribüne aus zu unterstützen, egal wie unwahrscheinlich der Sieg auch ist. Beim Einlaufen der Mannschaft steht man Spalier und jeder „Try“ (ähnlich wie der Touchdown) wird besungen und bejubelt. Beeindruckend sind natürlich auch die Oberkörper der Rugbyspieler… ;)
Unglaublich, wie sportbegeistert Südafrikaner sind!

YFU Austria:

Berichte uns doch von dem Moment, an dem du gemerkt hast, dass du nun zur Schulgemeinschaft gehörst und in den Schulalltag integriert warst!

Lena:

Eine von den vielen Regeln an meiner Schule war, dass das Haare färben, tönen oder highlighten strengstens untersagt war. Da ich im „Regeln noch nie gehört haben“ recht gut war, kam ich eines Tages doch mit rötlichen Haaren zur Schule. Lange blieb das aber natürlich nicht unentdeckt und kurze Zeit später hörte ich meinen Namen durch die Gegensprechanlage und musste ins Büro des Direktors. Dort hielt er mir einen Vortrag, dass ich in dieser Schule ein vollwertiges Mitglied sei, ich keine Sonderregelung bekommen werde und dass er mich jetzt eigentlich für eine Woche von der Schule verweisen müsste, was er dann Gott sei Dank nicht tat! (: Trotz der unangenehmen Situation merkte ich dann, dass ich wirklich dazugehörte! Unglaublich, wie gemeinschaftlich Südafrikaner sind!

YFU Austria:

Welche Schultypen gibt es in Südafrika? Welchen Schultyp hast du besucht? Was ist das Besondere daran? Mit welchem Schultyp in Österreich ist er am ehesten vergleichbar?

Lena:

In Südafrika ist das Schulsystem eigentlich recht unkompliziert: Jeder besucht zuerst 7 Jahre Grundschule und danach 5 Jahre Highschool. Die 12. Klasse (Matriek) endet mit den Finals im November (ähnlich unserer Matura).
Schulen gibt es hauptsächlich in den zwei Sprachen Afrikaans und Englisch.
Unglaublich, wie unkompliziert Südafrikaner sind!

YFU Austria:

Welche Gegenstände wurden an deiner Schule unterrichtet? Kannst du uns von Fächern berichten, die es an deiner österreichischen Schule nicht gibt?

Lena:

Die Fächer in der Highschool sind teilweise selbst zu wählen: zu den 4 Pflichtfächern Afrikaans, Englisch, Mathematik und Lebensorientierung wählt jeder Schüler noch 3 Kurse. Ich habe mich anfangs für Geografie, Tourismus und Gastfreundschaft entschieden, habe aber nach einem halben Jahr von Gastfreundschaft zu Biologie gewechselt.
Tourismus hat mir besonders gefallen: Die Lehrerin war unüblicherweise jung und ich habe wirklich viel über das Land, die Sehenswürdigkeiten und den Süden Afrikas erfahren. In Gastfreundschaft lernten wir Tee zu servieren und viele verschiedene Saucen, Fische und Fleischsorten auswendig, das wurde mir dann ein bisschen zu sinnfrei.... (:
Unglaublich, wie Südafrikaner langweiligen Frontalunterricht akzeptieren können!

YFU Austria:

Wie schwer oder leicht fiel dir die Schule generell?

Lena:

Der ganze Unterricht war in meinem Fall auf Afrikaans, eine Mischung aus Niederländisch und Englisch. Mir fiel es daher am Anfang natürlich sehr schwer den Inhalten zu folgen. In Fächern wie Geografie und Biologie war es bis zum Schluss nicht leicht, wegen der ganzen Fremdwörter und Fachbegriffe. Gott sei Dank ist das Niveau in Südafrika nicht unbedingt so hoch und die erforderlichen 30 % hab ich dann meistens irgendwie geschafft! (:
Unglaublich, wie bescheiden Südafrikaner sind!

YFU Austria:

Wie wirkten die Beziehungen zwischen Schüler und Lehrer in deiner Gastschule auf dich? Wie hast du das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern im Gegensatz zu dem in deiner Schule in Österreich erlebt?

Lena:

Persönliche Beziehungen zwischen Schülern und Lehrern sind praktisch nicht vorhanden. Nie wäre es einem meiner Mitschüler eingefallen, dem Lehrer zu widersprechen oder dessen Aussage in Frage zu stellen. Der Lehrer hat recht! Immer! Das ist zwar am Anfang recht ungewohnt, aber nach ein paar strengen Blicken oder Bemerkungen habe ich mich dann aber auch lieber im Hintergrund gehalten. Unglaublich, wie angepasst Südafrikaner sind oder sein können.

YFU Austria:

Erzähl uns doch ein wenig von deiner Schulklasse!

Lena:

In Südafrika ist das Schulsystem ähnlich wie in der USA. Der Lehrer hat eine fixe Klasse und die Schüler kommen, abhängig von den gewählten Kursen, zu ihm. Die einzige fixe Klasse ist somit nur die „Register Class“ am Morgen, in der die Anwesenheit kontrolliert wird. In meiner Register Class waren 25 Schüler, darunter der Großteil meiner besten Schulfreunde. In Afrikaans-Schulen ist der Großteil der Schüler weiss. Auf 26 Schüler in meiner Klasse kamen 2 Schwarze und 2 Coloureds (nicht schwarz und nicht weiß). Mit meiner Register Class habe ich mich wirklich gut verstanden und die eher langweiligen Register-Stunden am Morgen, wurden so mehr als erträglich gemacht. Unglaublich, wie lustig Südafrikaner sind!

YFU Austria:

Konntest du Freunde an deiner Schule finden? Was kannst du uns von Ihnen erzählen?

Lena:

Freunde finden in Südafrika sieht anfangs sehr leicht aus, weil jeder so offen und freundlich mit dir spricht und immer alle unglaublich nett wirken. Eine wirklich feste Freundschaft aufzubauen, gestaltete sich bei mir aber als Herausforderung. In der Pause wechselte ich in den ersten 3 Monaten häufig die Freundesgruppe, ab November blieb ich aber immer bei derselben. Mit diesen 5 bis 10 Mädels war es dann das restliche Jahr über enorm lustig und die Pausen gestalteten sich wirklich kurzweilig! Unglaublich, wie offen Südafrikaner sind!

YFU Austria:

Welche Aktivitäten wurden an deiner Schule neben dem Unterricht angeboten? Kannst du uns von einer solchen Aktivität erzählen, an der du selbst teilgenommen hast und die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Lena:

Sport ist in Südafrika mit riesigem Abstand das Wichtigste in einem erfolgreichen Leben. Ob man in der Schule 30 % oder 100 % erreicht ist völlig egal, solange man im Sport vorne mitmischen kann. Der allerwichtigste Sport für weiße Südafrikaner ist Rugby und nicht selten ist der ganze Lebens- und Ernährungsstil auf die Rugbykarriere abgestimmt. Schwarze spielen für ihr Leben gern Fußball.Allgemein wichtige Sportarten sind Kricket, Leichtathletik, und bei den Mädchen Hockey, Softball und Netball.
Ich habe mich fürs Schwimmteam gemeldet, und fand dort gleich eine Freundin, die mit mir privat trainierte. Zusammen fuhren wir zu Wettbewerben, wo ich zwar immer nur die Brustlänge der Mixed Staffel schwamm, doch dabei sein ist ja bekanntlich alles :) Unser größter Erfolg war dann der Stadtmeistertitel der Stadt Pretoria, worauf die ganze Staffel und natürlich auch die Schule mächtig stolz waren. Unglaublich, wie teamorientiert Südafrikaner sind!

YFU Austria:

Es gibt Länder, in denen man die Schule nicht mit normalen Straßenschuhen betreten darf. Kannst du uns von einer einzigartigen Regel erzählen, die es an deiner Gastschule gab?

Lena:

Südafrikanische Schulen sind voller einzigartiger Regeln, deren Sinn zwar oft fraglich ist, die man aber trotzdem akzeptiert. Neben der Uniform, die jeden Tag zu tragen war, wurde auf das gesamte Aussehen strengstens geachtet: die Haargummis hatten schwarz oder weiß zu sein, die Fingernägel durften nicht länger als die Fingerkuppen sein, der Rocksaum höchstens 3 cm über dem Knie aufhören, Make-up aller Art war verboten und auch der Durchmesser der Ohrstecker konnte zu „Nachsitz-Punkten“ führen, die man als Strafe bekommt. Hat man genug davon, bleibt man am Montag zum Nachsitzen. Sammelt man mehr und mehr von diesen Punkten, wird man eine Woche von der Schule verwiesen, in ganz harten Fällen auch für immer. Unglaublich, wie korrekt Südafrikaner sind!

YFU Austria:

Welche Erfahrungen hast du speziell aus deinem Schulalltag für dein Leben mitgenommen?

Lena:

Ich habe gelernt, Teil eines Ganzen zu sein, die persönlichen Ansichten im Interesse der Schule in den Hintergrund zu stellen. Durch die Uniformen, gab es bei mir ein extremes Zugehörigkeitsgefühl, das ich von Österreich nicht kannte.

YFU Austria:

Wenn dich eine angehende Austauschschülerin oder ein Austauschschüler fragen würde, was wäre dein wichtigster Ratschlag für das Leben als Schüler an deiner Schule im Gastland?

Lena:

Genieß unbedingt die Zeit! Mach dir keine Sorgen, wenn es am Anfang mit Freundschaften oder Schulleistungen noch nicht so hinhaut.
Wenn ich noch mal von vorne anfangen könnte, würde ich anfangs mehr Initiative zeigen, auf die Mitschüler zugehen und fragen, ob sie auch in der Freizeit gleich mehr mit mir machen wollen. Südafrikaner sind generell sehr freundlich und wissen erst durch eine konkrete Einladung, dass man an einer ernsten Freundschaft interessiert ist.