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Kim

Tee-AG, Bogenschießen und Flugsimulator

Schule in China

Wie läuft in China die Schule ab? Welche Fächer erwarten dich in einer chinesischen Schule? Erfahre das hier im Interview mit einem Austauschschüler in China!
YFU Austria:

Welche Erinnerung kommt dir als erstes in den Sinn, wenn du an deinen ersten Schultag in deinem Gastland zurückdenkst?

Kim:

An meinem ersten Schultag war alles ganz neu und ich hatte vorher keine Ahnung, was auf mich zukommen würde. Meine Gastmutter begleitete mich in die Schule, wo ich verschiedenen Lehrern vorgestellt wurde. Es wurde viel über mich geredet, wovon ich allerdings nur wenig verstand. Schließlich erfuhr ich, dass es noch eine andere Austauschschülerin an meiner Schule geben würde, eine Thailänderin, die in der selben Lage war wie ich. Uns wurde erklärt, wie an der Schule alles läuft, welche Regeln es gibt und wie unser Schulalltag aussehen wird. Schließlich wurden wir zu einer Schulklasse gebracht und sollten uns auf Chinesisch unseren 52 zukünftigen Klassenkameraden vorstellen, bevor wir die nächsten Stunden im Unterricht saßen, ohne irgendetwas zu verstehen und natürlich viele Fragen von unseren Mitschülern beantworten mussten. Am Nachmittag hatten wir noch zu zweit Chinesischunterricht. An diesem ersten Schultag kamen unglaublich viele neue Eindrücke und Personen auf mich zu und ich wusste: Jetzt beginnt mein Austauschjahr erst richtig.

Ein paar meiner Klassenkameraden und ich bei der Abschiedsfeier
YFU Austria:

Kannst du uns von deinem schönsten Erlebnis in der Schule erzählen, etwas, das du für immer mit deinem Austauschjahr verbinden wirst?

Kim:

Das schönste Erlebnis in der Schule... Es gab einige unvergessliche Erlebnisse. Eines der schönsten, auf jeden Fall das emotionalste, war - ähnlich wie auch bei meiner Familie - der letzte Tag. Ich kam morgens ganz normal in die Schule. Ich hatte zum Abschied ein paar Geschenke für meine Freunde vorbereitet und wusste, dass für den Nachmittag eine kleine Abschiedsfeier für mich geplant war. Da ich aber wusste, dass für Derartiges im Alltag meiner Mitschüler nicht viel Zeit bleiben würde, erhoffte ich mir nicht zu viel davon.
Nach der ersten Schulstunde bekam ich von ein paar Klassenkameraden Abschiedsgeschenke. Nach der zweiten Stunde noch mehr. Und dann noch mehr. Es endete damit, dass sich am Nachmittag Geschenke von knapp 30 Personen - mit denen ich teilweise nahezu nie Kontakt geredet hatte - auf und neben meinem Tisch stapelten und ich große Schwierigkeiten hatte, diese danach alle mit nach Hause zu nehmen. Darunter war alles von Süßigkeiten über Stickereien, Figuren, Scherenschnitten und Schlüsselanhängern bis zu Teekannen, einem Terrakottakrieger, selbst gemalten Bildern und natürlich vielen rührenden Briefen und Karten.
Aber viel wichtiger als all die Geschenke war die Feier, bei der wir aßen und tranken, Spiele spielten, lachten und redeten. Es wurden einige Reden gehalten - ich wurde selbstverständlich auch aufgerufen spontan etwas zu sagen, brachte aber nicht viel mehr raus, als mich wieder und wieder zu bedanken - und viele Fotos gemacht und alle waren glücklich und machten es mir schwer, mich damit abzufinden, dass ich die meisten danach nie wieder sehen würde. Für die Feier fielen sogar gleich mehrere Schulstunden aus, was in China sehr ungewöhnlich ist.

YFU Austria:

Berichte uns doch von dem Moment, an dem du gemerkt hast, dass du nun zur Schulgemeinschaft gehörst und in den Schulalltag integriert warst!

Kim:

In China ist es schwierig und zugegebenermaßen eher untypisch, als Austauschschüler zu einem "normalen", gleichwertigen Schüler zu werden. Man wird einfach immer etwas Besonderes sein, manche werden den Kontakt vermeiden, weil sie sich nicht zutrauen, mit einem Ausländer zu reden, selbst wenn er schon so lange da ist. Viele werden einen - vor allem was die Sprache angeht - immer unterschätzen, die meisten Lehrer werden einen entweder komplett ignorieren oder zumindest nicht in den Unterricht mit einbeziehen und alle werden den Ausländer stets bevorzugen. So hatte ich viel mehr Rechte und weniger Verpflichtungen als meine Mitschüler und konnte mich in einigen Hinsichten schon deshalb nicht integrieren, weil ich oft gar nicht die Möglichkeit bekam, richtig am Unterricht "teilzunehmen".
Man sollte also nicht erwarten, einer von vielen werden zu können. Wirklich dazuzugehören, ein - wenn auch besonderer - Teil der Gemeinschaft zu werden, ist auch schwierig, jedoch durchaus machbar.
Einer der Momente in denen ich das Gefühl hatte, wirklich zur Klasse zu gehören, war beim Gesangswettbewerb unserer Schule im Mai. Dabei trat jeweils die ganze Klasse als Einheit an und sang und inszenierte zwei selbst ausgesuchte Lieder vor dem Rest der Schule. Beide Lieder, die meine Klasse singen wollte, waren Lieder die die Zusammengehörigkeit einer Gemeinschaft behandelte. Das eine die unserer Klasse, das andere die des chinesischen Volkes - mit dem Refrain "Lasst die Welt wissen, dass wir alle Chinesen sind".
Nicht genug, dass ich das mit meiner Klasse einstudierte und vorsang, nein - ausgerechnet ich, der Ausländer, wurde ausgewählt, die Rolle des Leitsängers zu übernehmen, der mit Mikrofon und Solostellen an der Spitze steht.
Zweifelsohne, ein Ausländer, der auf Chinesisch vor weit über 1000 Zuschauern und mit 50 uniformierten chinesischen "Backgroundsängern" singt, ein Chinese zu sein, kam gut an bei der Jury. Und auch für mich war es einer der Momente, in denen ich merkte, dass ich trotz aller Unterschiede wirklich dazugehörte.

YFU Austria:

Welche Schultypen gibt es in deinem Gastland? Welchen Schultyp hast du besucht? Was ist das Besondere daran? Mit welchem Schultyp in Österreich ist er am ehesten vergleichbar?

Kim:

In China gibt es für weiterführende Schulen keine leistungsabhängige Differenzierung zwischen Schultypen. Nach 6 Grundschuljahren besucht man 3 Jahre lang eine Middle School und dann folgen für gewöhnlich 3 Jahre High School. Zwar gibt es bei diesen keine verschiedenen Schultypen, dafür aber verschieden hoch angesehene Schulen desselben Typs. Auf welche Schule man geht, hängt daher doch wieder von den Noten ab, da die Schulen es sich leisten können, bei den Unmengen von Schülern nur die zu nehmen, deren Niveau dem der Schule entspricht. Generell kann man nur aus einer begrenzten Zahl von Schulen wählen, basierend darauf, auf welcher Schule man zuvor war, wobei Middle + High School oft zusammengehören, sodass Schüler in vielen Fällen an dieser Schule bleiben können, sofern ihre Noten dies zulassen.
Während es also keine generell unterschiedlich gute Typen von Schulen gibt, gibt es dennoch Unterschiede zwischen Schulen und vor allem eine Binnendifferenzierung: Alle Klassen derselben Stufe auf einer Schule sind nach ihrem Niveau durchnummeriert. Dies wird nicht überall gleich gehandhabt, ein übliches Modell ist es jedoch, dass die besten Schüler der Stufe in Klasse 1 sind, die etwas weniger guten in Klasse 2 und alle anderen ohne weitere Differenzierung in den Klassen 3,4,5,etc. Nach jedem Halbjahr kann man genau wie in der Bundesliga auf Basis der schulischen Leistungen auf- oder absteigen. So wird gewährleistet, dass man immer in einer Klasse ist, deren Niveau etwa dem eigenen entspricht und dabei gute Schüler und lernschwache Schüler in jeweils eigenen Klassen gefördert werden können. Wenn ein Schüler dann zu gut für die "schlechteren" Klassen wird, steigt er ganz einfach in eine bessere Klasse auf.
Der Schultyp entspricht in Österreich wohl noch am ehesten dem eines Realgymnasiums, wobei auch dazu noch viele Unterschiede bestehen. Die Schulen sind in der Regel eher naturwissenschaftlich ausgelegt, auf Fremdsprachen wird nicht viel Wert gelegt, eine zweite Fremdsprache neben Englisch zu lernen ist sehr unüblich.

YFU Austria:

Welche Gegenstände wurden an deiner Schule unterrichtet? Kannst du uns von Fächern berichten, die es an deiner österreichischen Schule nicht gibt?

Kim:

An meiner Schule wurden größtenteils dieselben Fächer unterrichtet wie hier. Logischerweise gab es aber Chinesisch statt Deutsch und der Inhalt mancher Fächer wich etwas ab, neben Politik und Geschichte etwa auch in Sport. Fremdsprachen spielten außerdem eine deutlich kleinere Rolle.
Allerdings gab es an meiner Schule - wie an den meisten chinesischen Schulen - dutzende AGs, von denen man mindestens eine belegen musste. Darunter waren die verschiedensten Dinge, die hier schon fast unglaubwürdig wirken, wenn ich davon erzähle. So gab es neben "normalen" Fächern wie Basketball, Deutsch, Video-AG und Kalligraphie auch Fechten, Bogenschießen, eine Tee-AG, in der man lernen konnte, wie man richtig Tee ausschenkt, weil es dafür in China komplizierte traditionelle Zeremonien gibt und neben zahlreichen anderen auch eine Flug-AG, in der man mit einem Flugsimulator fliegen lernen und am Ende sogar einen offiziellen Pilotenschein machen konnte - wie es während meines Austauschjahres zwei 17-jährige Schüler taten und damit zu den jüngsten anerkannten Piloten Chinas wurden.

YFU Austria:

Falls du so ein Fach belegt hast, wie schwer ist es dir gefallen, dieses Fach zu lernen? Wie schwer oder leicht fiel dir die Schule generell?

Kim:

Wie ich schon sagte, gab es auch im Sportunterricht einige Unterschiede, so war etwa das Marschieren und das Befolgen von Befehlen wie "nach links drehen, nach rechts drehen" etc. ein wichtiger Bestandteil des Sportunterrichts. Zugegeben, dies habe ich anfangs gehasst. Ich fand es schlicht und einfach lächerlich und sinnlos. Später jedoch hat es mir geradezu Spaß gemacht und zurück zuhause vermisse ich solche Sachen schon beinahe :D Schwer war das Ganze lediglich ganz am Anfang, als ich zum einen noch nicht gut Chinesisch konnte und die Befehle deshalb nicht verstand und zum anderen auch ganz einfach nicht damit gerechnet hatte, mich plötzlich umdrehen zu müssen oder so.
Als AG belegte ich Kalligraphie, was mir eigentlich nicht sonderlich schwer fiel.
Wie schwer mir die Schule generell fiel? Dazu muss ich ehrlich sagen, ich nahm die meiste Zeit nicht wirklich am Unterricht teil. Die Lehrer riefen mich ohnehin nicht auf, gaben mir auch keine Hausaufgaben und Arbeitsblätter und die Prüfungen musste ich meistens nicht mitschreiben und wenn doch, dann war das Ergebnis egal (eine Ausnahme war natürlich der Chinesischunterricht, den ich 13 Stunden pro Woche mit meiner thailändischen Mitschülerin hatte). Zudem war es mir in vielen Fächern über lange oder sogar die komplette Zeit nicht oder kaum möglich, den Unterricht im Detail zu verstehen. Daher verbrachte ich die Unterrichtszeit meistens mit anderen Dingen. Ich bereitete andere Sachen vor, lernte Chinesisch, machte (Chinesisch-)Hausaufgaben, schrieb Tagebuch, las etwas, redete mit der Thailänderin, der es ebenso ging wie mir, oder... schlief.

YFU Austria:

Wie wirkten die Beziehungen zwischen Schüler*innen und Lehrer*innen in deiner Gastschule auf dich? Wie hast du das Verhältnis zwischen Schüler*innen und Lehrer*innen im Gegensatz zu dem in deiner Schule in Österreich erlebt?

Kim:

Lehrer sind in China nach wie vor hochgeachtete Respektspersonen, denen man auch dementsprechend begegnet. Schüler zollen ihren Lehrern also wesentlich mehr Respekt, widersprechen ihnen seltener, gehorchen ihre Befehle (und machen immer Hausaufgaben) und lästern auch nicht über sie.
Andererseits sind die Lehrer jedoch auch Ansprechpartner für vieles, sind immer da und immer bereit, etwas noch mal zu erklären, obwohl sie eigentlich Pause hätten, fühlen sich viel mehr als Teil der Klassengemeinschaft, nehmen an Veranstaltungen teil und sind auch mal für Späße zu haben. In allem finde ich das Verhältnis angenehmer. Während des Unterrichts sind die Lehrer zwar konsequenter, außerhalb jedoch lockerer. Ein großer Vorteil, der ihnen dies ermöglicht ist natürlich, dass ihnen von den Schülern angemessener Respekt entgegengebracht wird.

YFU Austria:

Erzähl uns doch ein wenig von deiner Schulklasse!

Kim:

Meine Klasse bestand aus 52 Chinesen, einer thailändischen Austauschschülerin und mir. Alle waren zwar nett und mit manchen verstand ich mich wirklich gut, aber leider standen sie durchgehend unter enormem Leistungsdruck. Das ist in China ganz normal. Dazu kommt allerdings, dass meine Klasse die Klasse Nr.1 der Stufe war (Stichwort Binnendifferenzierung bei der Frage zu den Schultypen). Das heißt, sie waren die Stufenbesten und hatten dadurch noch härteren Unterricht und noch deutlich höhere Anforderungen zu erfüllen, als es ohnehin der Fall wäre, und waren deshalb immer beschäftigt. Sie lernten in den Pausen. Sie lernten nach der Schule. Sie lernten am Wochenende. Kurz gesagt lernten sie praktisch immer. Sich außerhalb der Schule mit einem von ihnen zu treffen war deshalb sehr schwierig. Aber ich wurde herzlich aufgenommen und - wie beim Gesangswettbewerb - immer bei allem mit einbezogen.

YFU Austria:

Konntest du Freund*innen an deiner Schule finden? Was kannst du uns von Ihnen erzählen?

Kim:

Ich konnte an meiner Schule trotz der eben genannten Gegengründe durchaus Freunde finden. Ein paar aus meiner Klasse, mit denen ich zwar außerhalb der Schule nicht viel zu tun hatte, mit denen ich aber in der Schule reden konnte, die mir bei Problemen halfen und mit denen ich auch im Nachhinein noch ab und zu Kontakt habe, aber auch aus anderen Klassen. Auch mit unserer ersten Chinesischlehrerin verstand ich mich gut und habe manchmal noch immer Kontakt. Meine beste und einzige "echte" Freundin aus der Schule war aber die thailändische Austauschschülerin, die nicht nur in meiner Klasse war und meine einzige Mitschülerin im Chinesischkurs, sondern die auch einfach in der selben Lage war wie ich, sodass wir automatisch viel mehr Gemeinsamkeiten hatten, Probleme besser nachvollziehen konnten, da wir oftmals die selben Erfahrungen durchlebten und uns auch sprachlich von Anfang an gut verständigen konnten. Wir sprachen zwar von Beginn an nie Englisch miteinander, sondern immer Chinesisch, obwohl wir anfangs beide nicht gut Chinesisch sprachen, dadurch, dass wir aber immer auf etwa dem gleichen Level waren und komplizierte Umschreibungen von Wörtern besser verstanden als Muttersprachler, konnten wir uns aber dennoch immer problemlos verständigen und wurden sehr gute Freunde und erkundeten regelmäßig gemeinsam die Stadt. Die Chinesen hatten schließlich nie Zeit und alleine zu gehen wäre auch langweilig gewesen.

YFU Austria:

Welche Aktivitäten wurden an deiner Schule neben dem Unterricht angeboten? Kannst du uns von einer solchen Aktivität erzählen, an der du selbst teilgenommen hast und die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Kim:

Über die zahlreichen AGs, die meine Schule anbot habe ich weiter oben schon etwas geschrieben. Abgesehen davon gab es auch viele Sonderveranstaltungen an meiner Schule. Darunter ein Flohmarkt für Schüler der Schule, das obligatorische Sportfest, das es an jeder chinesischen Schule gibt, den bereits erwähnten Gesangswettbewerb, eine Mondfestparty, eine Neujahrsfeier, an der ich nicht teilnehmen durfte, weil sie auf einem Regierungsgelände stattfand, welches Ausländer nicht betreten dürfen, mehrere Ausflüge, etwa auf die Große Mauer und in ein Museum, eine Modeschau zur Wahl einer neuen Schuluniform, verschiedene Wettbewerbe, einige Veranstaltungen für ausländische Schüler, an denen ich über meine Schule teilnahm und einige andere... Auch bei den Feiern und Ausflügen zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten mit Kurzzeitaustauschschülern, die für 1-2 Wochen zu Gast an der Schule waren nahm ich teil und fand so noch weitere internationale Freunde.

YFU Austria:

Es gibt Länder, in denen man die Schule nicht mit normalen Straßenschuhen betreten darf. Kannst du uns von einer einzigartigen Regel erzählen, die es an deiner Gastschule gab?

Kim:

Für Mitteleuropäer ungewöhnlich scheinende Regeln gab es einige an meiner Schule - wovon viele in China aber üblich sind. Ein Verbot von Schmuck, Haarfärbungen und Liebesbeziehungen, starke Einschränkungen bei der Frisurwahl und Haarlänge, die fehlende Garantie auf Schulfreiheit an Sonntagen, Schuluniformpflicht und das Überwachen von Klassenzimmern mit Kameras ist absolut normal. Eine interessante Regel war an meiner Schule auch eine strenge Begrenzung der zulässigen Lebensmittel, die man mit in die Schule bringen darf. So durften wir außer Obst kein Essen und als Getränk nur Wasser und eventuell Tee mitnehmen. Man durfte das Schulgelände allerdings vor dem endgültigen Unterrichtsende nicht verlassen, um zum Beispiel woanders was zu essen. Auch in der Mittagspause nicht. Dann wurde dafür etwas zu Essen von der Schule bereitgestellt. Das Schulessen mochte niemand. Wirklich niemand. Und dennoch kaufte es jeder. Man hatte ja keine andere Wahl.

YFU Austria:

Welche Erfahrungen hast du speziell aus deinem Schulalltag für dein Leben mitgenommen?

Kim:

Vieles... Ich habe in der Schule etwa viel über verschiedene Kulturen und Freundschaft und gelernt, unter anderem durch all das Neue, durch das Im-Mittelpunkt-Stehen und viele chinesischsprachige Vorträge vor sehr großen Gruppen bin ich generell sehr viel selbstbewusster geworden - so war ich bei einem wichtigen Vortrag in der Schule letzte Woche absolut gar nicht nervös, schon deshalb, weil ich ja nur vor 20 Leuten redete, noch dazu in meiner Muttersprache und mit der Möglichkeit, mich vorher ausgiebig vorzubereiten. Neben einigen weiteren Punkten, ist eine bedeutende Sache, die ich aus dem Schulalltag mitgenommen habe, das hiesige Schulsystem schätzen zu lernen und zu begreifen, wie wenig wir hier für die Schule tun müssen, wie viel Freizeit und Freiheit wir haben und wie lächerlich gut es einem Schüler hier geht, im Vergleich zu dem extrem harten chinesischen Schulsystem. Dadurch bin ich nun auch viel eher bereit, mich anzustrengen und schulische Dinge hinzunehmen ohne mich darüber zu beklagen, mit dem Wissen, dass in China selbst mein 5-jähriger Gastbruder im Kindergarten schon mehr Leistungsdruck und Schulstress hatte, als wir es hier haben.

YFU Austria:

Wenn dich ein*e angehende*r Austauschschüler*in fragen würde, was wäre dein wichtigster Ratschlag für das Leben als Schüler*in an deiner Schule im Gastland?

Kim:

Sei offen für alles. Deine Schule hat vielleicht Regeln, die dir anfangs sehr sonderbar erscheinen und unterrichtet etwas, das du einfach nur lächerlich und sinnlos findest. Versuche, dich dennoch an die Regeln zu halten, auch die "sinnlosen" Dinge mitzumachen und deine Mitschüler und vor allem die Lehrer zu respektieren. Vielleicht gehören die Dinge, die du am Anfang am meisten hasst zu denen, die du später vermisst. Vielleicht findest du sie nach dem Jahr auch noch genau so schlimm, dann kannst du dich immer daran erinnern und dir klar machen, wie gut du es doch zu Hause hast.
Außerdem: Gehe auf deine Klassenkameraden zu. Immer wieder, auch wenn sie noch so oft keine Zeit haben oder Gespräche schnell verebben. Erzähle ihnen von deiner Heimat und von den Unterschieden, hinterlasse einen guten Eindruck, vielleicht ist gerade der Eindruck, den die Schule von dir bekommt, entscheidend dafür, ob sie sich entscheidet später erneut Austauschschüler aufzunehmen.
Und zu guter Letzt: Versuche dich einzubringen, wo immer du kannst und verfolge den Unterricht. Versuche etwas zu verstehen, verzweifle jedoch nicht, wenn es nicht klappt - gerade in Ländern wie China ist das ganz normal. Falls dem so ist, beschäftige dich während des Unterrichts anderweitig - lerne zum Beispiel Vokabel.