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Anna

Massage und Schwertkampf

Schule auf Thai

Als Österreicherin in Thailand? Klingt spannend? Ist es auch!
YFU Austria:

Anna, welche Erinnerung kommt dir als erstes in den Sinn, wenn du an deinen ersten Schultag in Thailand zurückdenkst?

Anna:

Ich hatte erstmal noch einen ziemlichen Jetlag und dann waren da so viele Schüler! Meine Schule in Thailand ist viel größer als meine in Österreich und ich konnte kaum ein paar Worte Thai. Alle wollten gleichzeitig mit mir reden, viele konnten aber kaum Englisch. Es hat ihnen aber überhaupt nichts ausgemacht, dass ich ziemlich verwirrt war. Und so hab ich nur sehr viel gelächelt und „Hallo“ und „Danke“ auf Thai gesagt, was ich eben schon konnte, und alle waren begeistert. Freunde zu finden war hier kein Problem.

Schüler bringen Geschenke zum Tempel. Dieses Fest symbolisiert den Beginn der Regenzeit, während der Mönche ihren Tempel nicht verlassen dürfen. (Die Geschenke enthalten unter anderem: Kerzen, Zahnpasta, Geschirrspülmittel, Rasierer, Süßigkeiten,...)
YFU Austria:

Kannst du uns von deinem schönsten Erlebnis in der Schule erzählen, etwas, das du für immer mit deinem Austauschjahr verbinden wirst?

Anna:

Ich weiß nicht, ob es richtigen einen Lieblingsmoment gibt. Ich genieße es einfach unglaublich hier jeden Morgen in die Schule zu gehen, meine Freunde und Lehrer zu treffen und dass ich mir sehr wenig Gedanken machen muss. Ich freue mich jedes Wochenende wieder auf die Schule und auf meine Freunde. Das ist es, was ich gerne aus Thailand mitnehmen möchte.

YFU Austria:

Berichte uns doch von dem Moment, an dem du gemerkt hast, dass du nun zur Schulgemeinschaft gehörst und in den Schulalltag integriert warst!

Anna:

Das merke ich daran, dass ich Privilegien verliere. Zum Beispiel müssen alle Schüler jeden Morgen aufs Feld, die Hymne singen und beten. Wenn die Sonne scheint, ist es manchmal sehr heiß. Am Anfang meines Austauschjahres hat mir meine Lehrerin noch gesagt, ich solle nicht mitgehen, weil es vielleicht zu heiß für mich sei. Jetzt muss ich aufs Feld wie alle anderen auch. Das ist zwar blöd wenn es heiß ist, aber in Wirklichkeit freue ich mich darüber.

YFU Austria:

Welche Schultypen gibt es in deinem Gastland? Welchen Schultyp besuchst du? Was ist das Besondere daran? Mit welchem Schultyp in Österreich ist er am ehesten vergleichbar?

Anna:

In ganz Thailand kenne ich mich da natürlich nicht aus und in Bangkok ist das sowieso alles anders. Aber in meiner Stadt gibt es, soweit ich weiß, nur Privatschulen oder Staatliche Schulen. Die unterscheiden sich aber nicht sehr und zielen beide darauf ab, die Schüler auf die Uni vorzubereiten - Also wie ein Gymnasium in Österreich. Innerhalb der Schule haben Klassen verschiedene Schwerpunkte wie beispielsweise Naturwissenschaften oder Sprachen. Ich selbst bin auf einer Staatlichen Schule, was ich sehr gut finde, weil es sich viele meiner Freunde einfach nicht leisten können auf eine Privatschule zu gehen. Der Unterricht fängt etwa um acht Uhr an und endet um vier, Mittagessen und manchmal Frühstück gibt es in der Kantine.

YFU Austria:

Welche Gegenstände werden an deiner Schule unterrichtet? Kannst du uns von Fächern berichten, die es an deiner österreichischen Schule nicht gibt?

Anna:

Es gibt eine ganze Menge speziell thailändischer Fächer, aber die meisten Klassen haben ganz normale Fächer (Mathe, Englisch, Thai, Bio,…). Zusätzlich lernen viele als zweite Fremdsprache Chinesisch oder Khmer. Als Austauschschülerin durfte ich mir meinen Stundenplan selbst zusammenstellen. Jetzt lerne ich zum Beispiel Thai Culture, Thai Music, Thai Dance, Thai Schwertkampf, Hairdressing, Flowermaking und Gardening. Ein paar Fächer haben meine Lehrerinnen auch extra für mich organisiert (Thai Massage im Spital, Thai Cooking in einem Restaurant).

YFU Austria:

Wie schwer fällt es dir, diese Fächer zu lernen? Wie schwer oder leicht fällt dir die Schule generell?

Anna:

Ich musste ja nicht nur eine neue Sprache, sondern auch eine andere Schrift lernen und meine Klasse war mit dem Stoff eineinhalb Jahre weiter als ich (das Schuljahr beginnt hier früher). Deshalb hat niemand von mir erwartet, dass ich überall mitkomme. Bei den Fächern, bei denen es ging (Mathe, Englisch) habe ich mich trotzdem bemüht die Tests mitzuschreiben und die Hausübungen zu bringen. Ich denke, es ist wichtig für mich und meine Klasse, dass ich auch die unspannenden Sachen mitmache, auch wenn das heißt, dass ich eine Nacht lang verschiedene Matheangaben auf Thai auswendig lernen muss.
Zusammen zu lernen, die Hausübungen voneinander abzuschreiben und im Nachhinein Tests zu diskutieren, das ist einfach etwas, was man gemeinsam geschafft hat und deshalb sehr wichtig. Meine Extraclasses waren aber alle eher praktische Fächer da war mitmachen natürlich leichter.

YFU Austria:

Wie wirken die Beziehungen zwischen Schüler und Lehrer in deiner Gastschule auf dich? Wie hast du das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern im Gegensatz zu dem in deiner Schule in Österreich erlebt?

Anna:

Vor dem Austausch habe ich natürlich viel gesagt bekommen, das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrer wäre schon ganz anders als in Österreich und dass ich mich da drauf einstellen solle. Und in gewisser Weise stimmt das auch! Respekt ist zum Beispiel viel wichtiger, als in meiner Schule in Österreich. Wenn Schüler einem Lehrer am Gang begegnen, verbeugen sie sich und wenn Schüler die Hausaufgabe abgeben und der Lehrer sitzt, müssen die Schüler auf dem Boden knien. Aber die Leute in meiner Klasse sind auch frech, verbeugen sich absichtlich schlampig oder gar nicht und scherzen mit den Lehrern. Es hat für mich eine Zeit gebraucht, bis ich die Feinheiten erkannt habe. Und manchmal haben Schüler und Lehrer, kommt mir vor, sogar eine bessere Beziehung als in meiner österreichischen Schule - Vielleicht weil sie mehr Zeit miteinander verbringen. Nach der Schule gehe ich gerne in den Englischraum und spiele mit meinen Freunden und den Englischlehrerinnen Scrabble.

YFU Austria:

Erzähl uns doch ein wenig von deiner Schulklasse!

Anna:

Ich bin ziemlich begeistert von meiner Schulklasse, weil ich mich echt mit allen gut verstehe. Die Gemeinschaft ist in Thailand sehr wichtig. Es würde zum Beispiel niemand böse über jemand anderen reden und es wird kaum offen kritisiert, was ich sehr angenehm finde. Außerdem isst immer irgendwer etwas und wenn hier gegessen wir, dann teilen alle ihr Essen und es ist sehr lustig - auch wenn Essen eigentlich in der Stunde verboten ist. Dafür ist es vielen meiner Lehrer nicht so wichtig, dass alle zuhören, daher plaudern viele einfach in der Stunde oder machen Hausaufgaben.

Die Schüler in meiner Klasse lieben es zum Unterricht irgendwelche Kommentare abzugeben wie: „Ahhh“, „Ohhh“ und „Tu´s nicht!“. Manchmal ist es mir fast zu laut, aber es macht Spaß, vor allem wenn in der Pause einer Gitarre spielt und wir alle thailändische Poplieder zusammen singen.

YFU Austria:

Konntest du Freunde an deiner Schule finden? Was kannst du uns von Ihnen erzählen?

Anna:

Die meiste Zeit haben wir einfach nur Spaß zusammen, essen Snacks, spielen Federball zwischen den Schulgebäuden und machen Blödsinn. Eine Freundin bringt mir Laotisch bei, dafür lerne ich ihnen ein bisschen Deutsch. Ich freue mich jeden Tag alle wieder zusehen und alle werden mir so fehlen in Österreich. Es ist aber nicht so üblich, Freunde nach der Schule oder am Wochenende zu sehen, höchstens für ein Schulprojekt. Viele meiner Freunde haben Nachhilfe am Nachmittag und Extraunterricht am Wochenende und in den Ferien müssen viele ihrer Familie bei der Arbeit helfen. Ich sehe sie also oft nur in der Schule.

YFU Austria:

Welche Aktivitäten werden an deiner Schule neben dem Unterricht angeboten? Kannst du uns von einer solchen Aktivität erzählen, an der du selbst teilgenommen hast und die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Anna:

Es werden hier (an meiner Schule speziell) extrem viele Feste in der Schule gefeiert. Einmal sind wegen Festen vier Montage hintereinander ausgefallen. Eines dieser Feste ist zum Beispiel der Thai Language Day. Dafür wurde in der großen Sporthalle eine Bühne aufgestellt und alles sehr schön geschmückt. Viele Schüler trugen die thailändische Nationaltracht, und auch ich durfte eine tragen und die Lehrerinnen haben mir die Haare gemacht und mich geschminkt, sodass ich mich selbst nicht erkannt hätte.
Am Vormittag wurde sehr viele Reden gehalten und am Nachmittag durften alle raus. Zwischen den Schulgebäuden verkauften Schüler Süßigkeiten und Eis und in der Halle wurde von Schülern Musik gemacht. Das war sehr fein, obwohl mir nachher schlecht war vom Eis.

YFU Austria:

Es gibt Länder, in denen man die Schule nicht mit normalen Straßenschuhen betreten darf. Kannst du uns von einer einzigartigen Regel erzählen, die es an deiner Gastschule gab?

Anna:

Von ein paar Regeln habe ich ja schon erzählt, wie dass alle sich Schüler vor Unterrichtsbeginn in Reihen auf dem Feld aufstellen um die Nationalhymne zu singen, zu beten und anschließend nochmal den Schulmarsch zu singen. Manchmal werden nachher noch Spendengelder eingesammelt.
Außerdem müssen Schüler die Schuhe ausziehen bevor sie das Gebäude betreten: Da es aber mehrere Gebäude gibt, zieht man eigentlich ständig Schuhe aus und wieder an.
Dann gibt es natürlich Schuluniformen in Thailand. Lehrer tragen auch Uniformen, aber nur an Montagen. An anderen Tagen müssen sie Gewand in einer bestimmten Farbe tragen, an jedem Tag eine andere. Und als vor einem Monat ein Mitglied der königlichen Familie gestorben ist, trugen alle Lehrer für zwei Wochen nur schwarz und weiß.

YFU Austria:

Welche Erfahrungen hast du speziell aus deinem Schulalltag für dein Leben mitgenommen?

Anna:

Ich bin ja gottseidank noch mitten im Schulalltag drinnen und noch lange nicht zu Hause, aber was ich sehr vermissen werde ist, dass sich die Leute hier nicht über alles so viele Gedanken machen. Außerdem sind hier wirklich alle freundlich miteinander - dass das geht glaubt man ja fast gar nicht. Ich liebe es, dass die Leute mir hier helfen, ohne irgendetwas dafür zu verlangen, einfach nur aus Gastfreundschaft. Ich hoffe ich kann ein bisschen etwas davon mit nach Hause nehmen.

YFU Austria:

Wenn dich eine angehende Austauschschülerin oder ein Austauschschüler fragen würde, was wäre dein wichtigster Ratschlag für das Leben als Schüler an deiner Schule im Gastland?

Anna:

Immer lächeln! Sich keine Sorgen machen, sondern einfach Spaß haben. Oder auf Thai: „Mai bpen rai!“