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Johanna

Wirkliche Familienmenschen!

Eine zweite Familie in den USA

Johanna hat ein Jahr bei einer ehrenamtlichen YFU-Gastfamilie in den USA gewohnt! Wie das für sie war und was sie unternommen haben, lest ihr hier!
YFU Austria:

Welche Erinnerung kommt dir als erste in den Sinn, wenn du an deine Gastfamilie denkst?

Johanna:

Mein Gastpapa, Gastmama und Gastschwester – und wie wir in der Küche stehen und beschließen Burritos fürs Abendessen zu bestellen. Kam viel zu oft vor haha :)

Ich mit meiner Gastfamilie beim Abschied am Flughafen.
YFU Austria:

Verrate uns mehr über deine Gastfamilie! Wie können wir uns deine Gastfamilie vorstellen?

Johanna:

Meine Gasteltern haben eine Arztpraxis und arbeiten deswegen viel und oft. Aber sie sind wirkliche Familienmenschen und deswegen haben wir oft Spieleabende oder Campingwochenenden gemacht! Ich hatte vier Gastgeschwister, wobei drei davon schon ausgezogen sind. Mit meiner gleichaltrigen Gastschwester habe ich mich gut verstanden, vor allem weil wir den 1:1 selben Musikgeschmack hatten! Wenn wir alleine zu Hause waren, gab es deshalb oft kleine Dance parties mit sehr lauter Musik!

YFU Austria:

Wie sah dein Alltag mit deiner Gastfamilie aus? Was habt ihr gemeinsam unternommen?

Johanna:

An einem normalen Schultag fuhr mein Gastvater schon sehr zeitlich in die Praxis, bevor die anderen aufwachten. Meine Gastmama, Schwester und ich verließen dann gleichzeitig das Haus, weil meine Mutter uns auf dem Weg in die Arbeit bei der Schule absetzte. Durch alle Aktivitäten waren wir dann erst um 17 bis 18 Uhr zum Abholen. Zuhause kochte meine Gastmutter dann Abendessen – oft mit unserer Hilfe. Abendgegessen wurde meistens im Wohnzimmer, weil die Couch und Sessel bequemer waren. Anschließen schauten wir meistens Filme oder spielten Spiele.

YFU Austria:

Was kommt dir als erstes in den Sinn, wenn du an deine Gasteltern denkst? Welche Unterschiede hast du im Verhältnis zwischen Eltern und Kindern in den USA kennengelernt, wenn du es mit Österreich vergleichst?

Johanna:

Meine Gasteltern, vor allem mein Gastvater, waren sehr religiös. Wir sind jeden Sonn- und Feiertag in die Kirche gegangen, was ich von Österreich nicht gewohnt war.

YFU Austria:

Wie hast du das Zusammenleben mit deinen Gastgeschwistern erlebt?

Johanna:

Ich habe mich gut mit meiner Gastschwester verstanden, aber wir hatten beide andere Aktivitäten nach der Schule, weswegen wir nicht viel alleine gemacht haben. Aber wir hatten eine schöne gemeinsame Zeit und jetzt bin ich vor allem mit ihr und meinen anderen Gastgeschwistern in Kontakt!

YFU Austria:

War es für dich schwer, dich in der Familie zu integrieren? Was hast du getan, um das Vertrauen und Zuneigung deiner Familie zu erhalten?

Johanna:

Ich habe versucht, alle Traditionen und Alltagsablaufe mit offenen Armen zu akzeptieren und mich an alles für mich Neue oder Ungewohnte anzupassen. Mit dieser Einstellung fiel es mir eigentlich gar nicht schwer, mich bald aufgenommen zu fühlen.

YFU Austria:

Wie hast du anfangs mit deiner Familie kommuniziert? Gab es Missverständnisse oder Verständigungsschwierigkeiten?

Johanna:

Mein Englisch war schon ziemlich flüssig, als ich ankam, allerdings happerte es anfangs oft an so kleinen Alltagsvokabeln, die ich noch nicht gekannt hatte. Umschreiben oder ein Bild vom Gegenstand suchen hat da das ganze Jahr über geholfen!

YFU Austria:

Was ist die schönste Erinnerung, die du an das Leben mit deiner Gastfamilie hast?

Johanna:

An einem Tag in den Frühlingsferien, hat mein Gastpapa uns alle aufgeweckt und gesagt, wir würden jetzt auf ein Abenteuer fahren. Wir sind alle ins Auto gestiegen, ohne zu wissen, wo es jetzt hingehen würde. Wir haben letztendlich einen Roadtrip in den Norden Oregons gemacht, wo es eine berühmte Eisfabrik gibt. Den ganzen Tag haben wir uns dann fremde Städte angeschaut, Eis gegessen und sind am Strand spazieren gegangen! Das war echt ein toller Tag.

YFU Austria:

Jedes Land und jede Familie haben ihre eigenen Traditionen. An welche Tradition oder an welches Fest kannst du dich ganz besonders erinnern und warum?

Johanna:

An Silvester! Da trifft sich in meiner Gastfamilie nämlich die gesamte Großfamilie. Es ist eine riesengroße Feier und es gab sogar Geschenke!

YFU Austria:

Welche Gefühle hattest du, deine Gastfamilie zu verlassen und zurück zu kehren nach Österreich?

Johanna:

Ich war wirklich traurig – obwohl ich mich natürlich extremst auf meine echte Familie und auf Österreich wieder gefreut habe, fiel es mir umso schwerer mein amerikanisches Leben einfach zurückzulassen. Alle haben am Flughafen geweint.

YFU Austria:

Viele Austauschschüler*innen sagen, dass sie die Erlebnisse bei der Rückkehr in ihr Heimatland wie einen zweiten Austausch erlebt haben. Sie sagen, dass sie sich an viele Dinge wieder neu gewöhnen mussten und neu hinzu- sowie liebgewonnene Verhaltensweisen wieder ablegen mussten. Wie war das bei dir?

Johanna:

Das habe ich auch so erlebt! Das zuhause Ankommen war wie ein zweiter kleiner Austausch und jedes mal, wenn ich jemanden wieder zum ersten mal seit meiner Rückkehr getroffen habe, war das so wunderschön und interessant! Also, ja, das Zurückkommen ist für sich ein ganz eigenes, lustiges Kapitel einer Austauscherfahrung.

YFU Austria:

Du hast jetzt deinen Austausch mit seinen Herausforderungen, Erfahrungen und persönlichen Veränderungen hinter dir. Welche Ratschläge kannst du zukünftigen Austauschschüler*innen mit auf den Weg geben, damit sie schnell in den Alltag und in das Familienleben ihrer neuen Familie hineinfinden und sich deren Vertrauen und Zuneigung erwerben?

Johanna:

Einmal hatte ich Probleme mit meiner Gastfamilie und wusste nicht, wie ich solche, wahrscheinlich bloß durch Kultur erzeugten, Barrieren überwinden sollte. Dann hat mir jemand gesagt: Die Traditionen, Bräuche, Alltage und Werte anderer Familien sind nicht schlechter oder komischer, sie sind halt anders. Und mit dieser Einstellung würde ich jedem/jeder ATS ans Herz legen in sein/ihr Austauschabenteuer zu starten.