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Thomas

Wachsen und etwas zurückgeben

Thomas und das Ehrenamt

Was hat es mit dem "Auslandsyndrom" auf sich? Was bringt es, sich ehrenamtlich zu engagieren? Wie geht es danach weiter? Thomas erzählt!
YFU Austria:

Thomas, wie bist du zu YFU gekommen?

Thomas:

Eine gute Frage. Ich kann sie euch genau beantworten. Damals ging ich noch zur Schule und durch einen Austauschschüler aus Japan, der zu meinem besten Freund wurde, kam ich auf die Idee auch ein Jahr "auszubrechen". Mein Freund kam nicht durch YFU von Japan nach Österreich, ich schon. Da eine Woche zuvor - der Zufall wollte es so - in meiner Schule von YFU ein Vortrag gehalten wurde, gab es am Informationsbrett der Schule weitere Informationen. Zum Glück! Den Vortrag konnte ich nicht besuchen, die Informationen dafür lesen.

Mein erstes Buch, erschienen im Juli 2014.
YFU Austria:

Warum warst du bei YFU ehrenamtlich tätig?

Thomas:

Nach einem Austauschjahr passiert etwas und die meisten werden das Gefühl kennen. Heute nenne ich es das "Auslandssyndrom". Keine Sorge, es hört sich schlimmer an als es ist. Ein Austauschschüler macht eine fantastische Erfahrung: Er hat die Chance seinen Charakter zu stärken, seine Persönlichkeit in eine Richtung zu formen, die er sich wünscht. In einem Jahr ist man auf sich alleine gestellt, das heißt, dass der Fokus der Gedanken auf sich selber liegen. (Natürlich auch auf den Mitmenschen im neuen und alten Land.) Es zeigt sich aber, dass wenn man heimkehrt, das Selbstvertrauen stark gestiegen ist und viele neigen dazu sich vergleichen zu wollen. Mit wem, das ist die Frage. Da der Austauschschüler zurückkehrt in eine Welt die für ihn "stehen" geblieben ist, neigt er dazu das Gefühl zu bekommen etwas besseres in einem Jahr gemacht zu haben als die, die nicht weg waren. Ein Fehlgedanke.
Dennoch, ich hatte das Gefühl und merkte, dass ich mich aus welchen Gründen auch immer, wenig verstanden fühlte. Wer wäre besser im Verstehen eines Austauschschülers gewesen, als die Organisation selbst. Ich bin ehrenamtlich lange tätig gewesen, vor allem weil es YFU waren, die mich rückintegriert aben.

Es wäre gelogen, wenn ich jetzt nur einen Eigennutzen durch das ehrenamtliche Spaßhaben gesehen hätte. Nein. Es ist so, dass ich ein dankbarer Mensch sein möchte und YFU hat mein Leben stark positiv beeinflusst. (Danke nochmals :o) ) Und um meine Dankbarkeit zu zeigen, bin ich ein ehrenamtliches Mitglied geworden, um meine Erfahrungen zu teilen und neuen Generationen weiterzuhelfen.

YFU Austria:

Was hast du bei YFU gemacht?

Thomas:

Ich würde sagen, zwei Jahre lang fast alles. Dank dem tollen Büro. Angefangen mit einem Mittelseminar, bis zum Vorbereitungsseminar und zum Reentry-Seminar, Info-Abende, Auswahlverfahren, Stammtisch organisieren, Seminare auch (co)leiten. Beim internationalen YES Seminar war ich dabei, in Organisation und Durchführung. Aja und natürlich war ich auch Betreuer. Wenn ich Sarah Kirchner zitieren darf: Ich war zuständig für jede Arbeit, vor allem für die, die niemand machen wollte ;o).

YFU Austria:

Hast du dich durch deine ehrenamtliche Tätigkeit persönlich weiterentwickelt?

Thomas:

Stark, sehr stark. Nicht nur in der Persönlichkeit, sondern vor allem auch in Fertigkeiten, wie Reden halten, "öffentliches Auftreten", Organisationen und Management. Und natürlich hat man Verantwortung zu tragen gegenüber den Mitgliedern bei einem Seminar.

YFU Austria:

Welchen Einfluss hatten die Fähigkeiten auf deinen private und berufiliche Laufbahn?

Thomas:

Jeder, der viele Vorträge in der Zukunft halten muss, hat mit Infoabenden und Auswahlverfahren, sowie persönlicher Betreuung, die besten Möglichkeiten seine Qualitäten zu verbessern. Mir fiel dies bei Unireferaten stark auf, denn während andere mit Zettel und Karten herumfuhrwerkten, war es mir ein leichtes aus dem freien Redefluss zu starten.
Außerdem ist es wichtig einen Zugang zu fremden Menschen zu bekommen, den mir YFU gezeigt hat. Die ehrenamtliche Tätigkeit list sich natürllich auch gut im Lebenslauf.

Noch möchte ich sagen, dass durch YFU ein Leben miteinander geprägt wird. Respekt, Toleranz, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit sind wesentliche Werte, die man mit den Umgang fremder und eigener Kulturen kennen lernen kann.

YFU Austria:

Welchen Einfluss hatte deine ehrenamtliche Tätigkeit auf dein soziales Umfeld?

Thomas:

Eine Frage, die ich ehrlich beantworten möchte. Ich bin kein Mensch der viele Freunde hat, denn dafür ist für mich der Wert Freundschaft ein zu hoher, den kaum ein Mensch mir gegenüber erfüllen kann. Außerdem sehe ich einen Freund in der Einsamkeit. Das klingt jetzt düster, so ist es aber nicht, denn ich habe (für mich) genügend Freunde, die ich auch durch YFU kennengelernt habe. Wichtige Menschen sind meine Lehrerin und ihre Familie in Japan, mit ihnen habe ich wöchentlich Kontakt. Da ich mit meiner Freundin letzten Sommer bei ihnen war, ist die Freundschaft noch stärker als zuvor. Was vielleicht noch auffällig ist, dass ich mehrere internationale Bekanntschaften habe, sicher auch durch Einfluss von YFU. Ich denke man verliert eine Gewisse Schüchternheit und Scheu.

YFU Austria:

Hat deine ehrenamtliche Tätigkeit Einfluss auf deine Berufswahl oder deinen Beruf? Wenn Ja, wie?

Thomas:

Vielleicht ein bisschen. Ich studiere Literaturwissenschaften, Deutsch und Biologie auf Lehramt.
In Literaturwissenschaften liebe ich es in andere Kulturen hineinlese, da gibt es spannende Unterschiede und vielleicht werde ich Lehrer, weil ich gerne mit Kindern und Jugendlichen arbeite.

YFU Austria:

Wenn du die Zeit zurück drehen könntest, wärst du wieder bei YFU aktiv?

Thomas:

Sicher! Es war ein wichtiger Prozess für mich, um mich weiterzuentwickeln.

YFU Austria:

Falls du nicht mehr aktiv bist, welche Gründe gibt es hierfür?

Thomas:

Zwei Jahre stark ehrenamtlich vertreten zu sein, bedeutet auch sehr viel Zeit für die Organisation zu investieren. Nach zwei Jahren musste ich schauen, dass ich mein Leben in die mir gewünschte Bahn lenken kann und dafür war es notwendig einen Abstand zu haben. Ich denke, bei mir wirkte es vielleicht brutal, dass ich von einem Tag auf den anderen "verschwunden" war, aber ich glaube, ich hätte es nicht anders zustande gebracht.
Und immerhin ich studiere, wenn man es genau nimmt 3 Studienfächer, nebenbei muss ich Geld verdienen, meine glückliche Beziehung pflegen, meine Ziele ein bekannter Autor zu werden verfolgen, Kontakt zu Familie und Freunden halten,... Ich denke, jeder weiß, dass ein Leben sich weiterentwickelt und nicht nur die Person...