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Hannah

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Als Schüler in den Niederlande

Was Lehrer dürfen, dürfen auch Schüler - Hannah erzählt mehr!
YFU Austria:

Kannst du uns von deinem schönsten Erlebnis in der Schule erzählen, etwas, das du für immer mit deinem Austauschjahr verbinden wirst?

Hannah:

Mein schönstes Erlebnis mit meiner Klasse war nicht direkt in der Schule, aber organisiert von Leuten und Lehrern aus meiner Klasse. Kurz bevor ich nach Hause musste, hat meine Klasse eine Überraschungsabschiedsparty auf die Beine gestellt. Meine Lehrerin wusste davon und entführte mich in einer Stunde ständig aus der Klasse, um sinnlose Dinge mit mir zu besprechen. In der Zwischenzeit konnte meine Klasse alles planen. Schließlich, eines Tages, fragten mich meine vier besten Freundinnen, ob ich mit ihnen einen Film anschauen wolle nach der Schule, bei einer Freundin daheim. Klar wollte ich! Nach der Schule irrten wir Ewigkeiten in der Schule herum, damit die anderen aus meiner Klasse, von mir ungesehen, zu meiner Freundin radeln konnten. Zwei Stunden später kamen auch wir bei meiner Freundin an und ich betrat den Raum: hinter dem Sofa sprang meine gesamte Klasse hervor und schrie "Verrassing" (heißt Überraschung auf niederländisch) - ich begann sofort zu heulen und jeden zu umarmen. Das war definitiv mein schönster Moment mit meiner Klasse, den ich NIE vergessen werde!

Das ist meine Klasse, hier haben wir gerade einen Ausflug in eine Fotoausstellung gemacht.
YFU Austria:

Berichte uns doch von dem Moment, an dem du gemerkt hast, dass du nun zur Schulgemeinschaft gehörst und in den Schulalltag integriert warst!

Hannah:

Das war der Tag, an dem Maturastreich war. Wir hatten gerade Turnen, als auf einmal die Durschsage kam: "Alle Schüler bitte in die Aula, macht euch bereit für den Parcous.". Niemand wollte durch den Parcours, jeder zog sich seine normale Kleidung wieder an und begann nach einem nichtversperrten Ausgang zu suchen. Ich hatte keinen Plan, was los war und stand herum, wusste nicht wohin und was tun. Bevor meine Klasse aus der Umkleide stürmte nahmen mich zwei Leute an der Hand und zogen mich mit der Klasse mit und wir flüchteten. Ich war so richtig glücklich, dass sie mich zu sich zählten und aufgenommen hatten.

YFU Austria:

Welche Schultypen gibt es in den Niederlande? Welchen Schultyp hast du besucht? Was ist das Besondere daran? Mit welchem Schultyp in Österreich ist er am ehesten vergleichbar?

Hannah:

Es gibt soviel verschiedene Schultypen mit verschiedenen Niveuas. Die Wichtigsten sind:
Basisschule: mit 4 Jahren beginnt man und mit 12 Jahren geht man in die Mittelschule
VMBO: ab 12 Jahren (nochmals unterteilt in : Mavo/TL, GL, KL und BL) danach geht man dann in die MBO - diese Ausbildung ist zu vergleichen mit Hauptschule-Poly-Lehre.
HAVO: ab 12 Jahren, man schließt die Schule mit 16 Jahren ab und hat keine Studienberechtigung - man muss noch eine Berufsausbildung machen - diese Ausbildung ist zu vergleichen mit Hauptschule (bzw. Oberstufenhauptschule)
VWO: ab 12 Jahren, diesen Schultyp schließt man mit Studienberechtigung mit 18 Jahren ab. Dieser Schultyp ist nochmals unterteilt in: Atheneum und Gymnasuin (Gym ist sehr schwer, also nicht mit unserem Gym zu vergleichen; man lernt meist Griechisch und Latein)

YFU Austria:

Welche Gegenstände wurden an deiner Schule unterrichtet? Kannst du uns von Fächern berichten, die es an deiner österreichischen Schule nicht gibt?

Hannah:

Meine Fächer waren: Mathe, Englisch, Niederländisch, Deutsch, Französisch, Biologie, Chemie, Physik, Philosophie, Drama (Theater), Wirtschaft (sowas wie Rechnungswesen), Geografie, Geschichte, BE (Zeichnen), Turnen, Mentorstunde (Wir haben da viel Berufsorientierung, etc. gemacht) und Daltonstunde: davon hatten wir drei Stunden (70 min.) in der Woche in der man sich aussuchen konnte, welches Fach man jetzt hat z.B. ich habe noch Hausübung oder nächste Stunde (bald) einen Test in Geschichte, dann kann man sich bei Geschichte einschreiben (im Internet) und noch Fragen an den Lehrer stellen.
Die Fächer variiren pro Trimester und eine Unterrichtsstunde dauert in meiner Schule 70 min. Dort beginnt die Schule erst um halb neun und war bei mir fast jeden Tag um 15.15 Uhr aus. Ab der dritten Klasse havo oder vwo muss man sich ein Fächerpaket wählen, die man die nächsten Jahre weiterhin hat und in dem man dann sein Examen macht.

YFU Austria:

Falls du so ein Fach belegt hast, wie schwer ist es dir gefallen, dieses Fach zu lernen? Wie schwer oder leicht fiel dir die Schule generell?

Hannah:

Am Anfang habe ich das System nich wirklich verstanden: Es hat dort jeder Schüler seine eigene Schulemailadresse, wo es schon von Vorteil ist jeden Tag seine Mails zu checken, denn oft kriegt man Hausübungen zugemailed oder dergleichen. Dann gibt es noch zwei Onlineportale, Teletop und Webportal. In Webportal konnte man immer sein aktuelles Zeugnis oder Testnoten erfahren, auch Fehlstunden sind dort verzeichnet. Auf Teletop gibt es alles, was mit den Fächern zu tun hat. Für jedes Fach gibt es einen Jahresplan, Übungsaufgaben (+Antworten), Übungstests, Resultate (Noten), Material aus der Stunde (z.B. Powerpoint) und vieles mehr. Auch Teletop sollte man jeden Tag besuchen und schauen was zu tun ist, da im niederländischen Schulsystem viel Wert auf selbstständig arbeiten gelegt wird.
Mit der Zeit habe ich mich dran gewöhnt und habe am Ende ein Zeugnis erreicht, mit dem ich in die nächste Klasse aufsteigen hätte können, auch wenn ich nicht meine Freizeit nur mit lernen verbracht habe.

YFU Austria:

Wie wirkten die Beziehungen zwischen Schüler und Lehrer in deiner Gastschule auf dich? Wie hast du das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern im Gegensatz zu dem in deiner Schule in Österreich erlebt?

Hannah:

Das Verhältnis war sehr freundschaftlich. Jeder sprach den Lehrer mit Vornamen an, generell war an meiner Schule die Regel: Was Lehrer dürfen, dürfen auch Schüler (sowas wie Kaffee trinken oder essen unter der Stunde etc.). Lehrer waren auch die Vertrauenspersonen, was ich am Anfang sehr schräg empfunden habe. In Österreich würde niemals wer mit einem privaten Problem zu einem Lehrer gehen und um Rat fragen. Das vermisse ich schon sehr!

YFU Austria:

Erzähl uns doch ein wenig von deiner Schulklasse!

Hannah:

Ich war in einer Mädchenklasse, da ich eine Klasse mit dem Schwerpunkt Kultur besuchte (dafür interessieren sich nicht soviele Jungs). Die Klasse war sehr stark in Gruppen geteilt, jedoch immer wenn es um etwas wichtiges ging, hielt jeder zusammen! Anfangs hatte ich ein paar Probleme, weil ich nicht wusste, zu welcher Gruppe ich "gehören" sollte. Ich wollte nicht nur zu einer Gruppe "gehören", ich wollte in der Klasse sein. Im Laufe des Jahres ist die ganze Klasse mehr zusammen gewachsen und es war auf einmal eine Gruppe, wo jeder dazugehörte.

YFU Austria:

Konntest du Freunde an deiner Schule finden? Was kannst du uns von Ihnen erzählen?

Hannah:

Jede Menge! Zu Beginn tat ich mir sehr schwer, denn Niederländer sagen nicht einfach mal so daher "Sie ist meine Freundin". Wenn sie das sagen, meinen sie es ernst. Ich habe fünf bis zehn richtig richtig gute Freunde gefunden, die sich anfangs teilweise nicht so gut verstanden haben. Sie sind alle ganz unterschiedlich, ich kann mit jedem anders reden und anders Spaß haben, das ist es, was mich so richtig glücklich macht, sie alle gefunden zu haben!

YFU Austria:

Es gibt Länder, in denen man die Schule nicht mit normalen Straßenschuhen betreten darf. Kannst du uns von einer einzigartigen Regel erzählen, die es an deiner Gastschule gab?

Hannah:

Was mich am Meisten verwundert hat, dass Handys erlaubt bzw erwünscht waren im Unterricht. Eigentlich als Informationsquelle (internet, mails etc.), doch natürlich war auch dann jeder auf Facebook online oder hat mit seinen Freunden gechattet. Die Lehrer jedoch hat das nicht gestört, es gab sogar WiFi. Das fand ich echt ziemlich schräg, warscheinlich weil auf meiner österreichischen Schule Handys am ganzen Schulgelände ausgeschaltet sein müssen.

YFU Austria:

Welche Erfahrungen hast du speziell aus deinem Schulalltag für dein Leben mitgenommen?

Hannah:

Ich habe in der Schule soviel gelernt! Eins der wichtigsten Dinge ist, mir meine Aufgaben einzuteilen, sodass ich sie rechtzeitig selbständig fertig kriege und mich selbst zu motivieren. Dinge zu akzeptieren und und zu verstehen, wie sie nunmal sind und nicht ständig alles ändern zu wollen, nur weil es nicht so ist wie erwartet. Was auch noch ganz wichtig ist: Ich habe gelernt was allein sein heißt. Dies habe ich auch schätzen und respektieren gelernt.

YFU Austria:

Wenn dich eine angehende Austauschschülerin oder ein Austauschschüler fragen würde, was wäre dein wichtigster Ratschlag für das Leben als Schüler an deiner Schule im Gastland?

Hannah:

Von Anfang an mitmachen! Alle Tests mitschreiben, alles mitmachen, mitschreiben, soviel man kann - nur so lernt man die Sprache sehr schnell und kann sich mit den anderen unterhalten, was wieder ein Gefühl von Zugehörigkeit verschafft. Man freut sich über jede positive Note, wie ein kleines Kind. Zum Freunde finden wichtig: Ganz offen auf die Leute ZUGEHEN und nicht abwarten bis jemand auf dich zukommt!